Dieser Text ist Lydia Ewald gewidmet.

 

So nun, da ich wieder zuhause bin, die Welt noch immer in Ordnung ist und mir noch immer das Wohl der Menschen im Sinne liegt werde ich mich mal daran machen, das unterwegs geschriebene Tagebuch zu digitalisieren. Ich erhielt den Rat von einigen meiner nächsten Menschen, die 'Rohfassung' noch einmal zu überarbeiten, da ich unterwegs offensichtlich nicht immer die Möglichkeit hatte, alles, was mir wichtig erschien auch aufzuschreiben. So hatte die Rohfassung (hier nicht kursiv geschrieben) noch einige Lücken, die ich nun versuchen werde, so gut mir das eben im Nachhinein gelingen mag zu füllen. Wer will kann auch gerne erst das Original lesen, um sozusagen das Leben auf dieser Reise 'unplugged', unverfälscht nachlesen zu können. Er/Sie überspringe dazu einfach die Kursiv geschriebenen Stellen. So nun aber genug 'Einführung', wir wollen hier ja von einer Reise lesen und nicht von einer Leseempfehlung.

 


3.Tag
11.September
 
"Die Erde hat ein Problem: Sie hat zu viele Menschen!" - das dachten sicherlich schon viele Andere vor diesem "Meister" in seinem Auto, der mich heute beim Schlafen 'erwischt' hat. Irgendwie gab er mir neuen Mut, warum weiß ich nicht.

 

Nach diesem Anfang, der den Leser wohl eindeutig ins kalte Wasser werfen will sei nun einiges zu klären. Nun, der dritte Tag... erst hier begann ich zu schreiben, erst hier fand ich eine ruhige Minute, in der keine Menschenseele (außer dem Meister, der aber mit seinem Fahrzeug auch bald wieder von Dannen fuhr) sich in mein Leben einmischte. Die ersten beiden Tage waren nicht sonderlich spektakulär verlaufen: Ich begann meine Reise indem ich in die Moosstraße lief. Ich versprach am Vortag noch einmal bei Johannes Widmaier vorbei zu schauen, was ich unbedingt halten wollte. Dann lief ich endlich los. Erstmal 'nur' von Bremgarten nach Bad Krozingen, wo ich Alex Schimpf besuchte. Ich hatte einige Leute, denen ich 'auf Wiedersehen' sagen wollte. Und zu diesen zählte ich auch Alex. Ich war sehr froh, wie ich bei ihm ankam. Endlich konnte ich mich meines Rucksacks entledigen. Ich hätte nie vermutet, dass ich bereits nach 'läppischen' sieben Kilometern solche Schmerzen in den Schultern verspüren würde. Bei Alex hielt ich es einen Tag und eine Nacht aus. Konsumierte nochmal kräftig am Computer und sah mir den ein oder andern Film an. So auch Equilibrium, den ich der Nachwelt sehr empfehlen kann. Nach dem Aufenthalt bei Alex ging es weiter nach Staufen. Hier konnte ich endlich meinen Rucksack erleichtern: Ich hatte die ganze Zeit (na gut, gerade mal elf Kilometer) Frank Herbert's Dune mit dabei, den ich Elena Gòmez (vergib mir wenn der Akzent falsch gesetzt ist) zurückgeben wollte. Auch hier wurde ich festlich aufgenommen. Trotz dass Elena noch nicht zuhause war, nahmen mich ihre Mutter und Schwester auf und boten mir an, bei ihnen zu schlafen. Bisher ging also meine Rechnung, bei Leuten unter zu kommen auf. Noch musste ich nicht im Zelt schlafen und auch die Nahrungsmittel wurden mir 'gestiftet'. Ich war auf dem richtigen Weg. So gegen neun kam dann auch endlich Elena nach Hause. In der Zwischenzeit habe ich ihre Familie etwas näher kennengelernt... wirklich wunderbare Menschen, für die es sich zu kämpfen lohnen würde. Ich hatte mit Elena noch ein wunderbares Gespräch, das sich bis in die Nachtstunden hinzog und ging dann tags drauf mit ihr zur Schule. Dort hat die allgemeine 'community' verwundert festgestellt, dass ich ja noch da sei, weshalb ich auch gleich weiter zog. Nach wenigen Kilometern hat mich dann aber doch die Müdigkeit eingeholt. Auch die Nachtruhe bei Alex, tags vorher fing etwas verzögert an, weshalb ich mich einfach mit meiner LuMa unter die Bäume legte, wo dann wenig später (waren es Minuten oder Stunden?!) der oben genannte Meister vorbeischaute... er war (oder wahrscheinlich ist er noch) ein typischer Badner, der 'es zu was gebracht hat'. So hat er schon mit 15 angefangen zu arbeiten und hat sich dann zum Meister hochgearbeitet. Es wäre wohl sehr ignorant zu sagen, dass man diesem Menschen nichts zu verdanken hätte... Im Gegenteil er hat sein leben sicherlich in vielerlei Hinsicht seinem Beruf geopfert. Doch soll man nicht (nur) auf die Taten der Vergangenheit zurückschauen, sondern auch versuchen, in Zukunft möglichst viel 'Gutes' zu geben... doch ich habe leicht reden.

 

Sitze in Merdingen und habe Blickkontakt mit einer (schätzungsweise) 13-jährigen Raucherin. Habe sie darauf angesprochen, doch es hat wohl nicht geholfen. Ziellosigkeit herrscht im Lande der Reichen und 'Sozialen'. Wohin mit all dem Reichtum?! Suizid aus Langeweile scheint die Lösung zu sein... wie sonst lässt sich der hohe Tabakkonsum erklären?!

 

Auch hier fand ein bemerkenswert tiefer Schnitt ins 'Zeitgewebe' statt, weshalb ich es als sehr ratsam empfinde, 'kursive Schrift' hinzuzufügen. Offensichtlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt ganz andere Dinge im Kopf, als das Aufschreiben meiner 'Taten', was ja auch nicht verwunderlich ist.... schliesslich galt es sich in einer völlig neuen Welt zurecht zu finden. Auch der Kontakt zu Menschen, der hier noch stattfand hielt mich vom Schreiben ab. Später auf der Reise, als der Kontakt immer rarer wurden hielt ich eben 'Kontakt' zu meinem 'Büchlein, weshalb ich wesentlich mehr geschrieben habe. Nach meiner 'Rast' nahe Staufen lief ich weiter in Richtung Ehrenkirchen, wo ich Lydia Ewald 'alias' Lydl-tüdl oder auch Mama Ewald besuchte. Ihr sei dieses Buch auch gewidmet, da sie einer der wenigen Menschen ist, bei denen ich selbst so sein könnte, wie sie es eigentlich gar nicht will... Sie hat mich im Gedanken diese Reise zu tätigen wohl am tatkräftigsten unterstützt und verstand mich (in dieser Hinsicht) am besten von allen Menschen. Auch bei ihr nutzte ich die Gelegenheit, ein warmes Bett und auch etwas warmes zu Essen zu bekommen... vorerst das letzte Mal, so wie ich selbst wußte. Hier wurde mir (glaube ich) zum ersten Mal bewusst, dass selbst warmes Essen und ein Bett zu 'Luxus' gezählt werden dürfen, weshalb es für mich auch in Zukunft gelten sollte, darauf möglichst zu verzichten. Vielleicht lag hier schon so etwas wie ein 'Grundstein' für die alternative Entwicklung, die sich im Endeffekt durchsetzte. Nachdem ich mit Ewalds zusammen dann noch Steine für die Terrasse aus Freiburg besorgt habe, machte ich mich wieder auf den Weg... Diesmal ohne bestimmtes Nahziel im Kopf. So lief ich bis es dunkel wurde und machte Halt südwestlich von Tiengen, um dort mein Zelt zum ersten Mal aufzuschlagen. Abends lief ich dann noch nach Tiengen, um zuhause anzurufen, so, wie es mir Mutter so 'aufgetragen' hat, damit sie keine Angst um mich zu haben brauchte. Tags drauf lief ich dann weiter über den Tuniberg. Ich wollte raus aus der Zivilisation, raus aus dem 'normalen' Leben, so wie es mir die Menschen in den Ortschaften vorlebten. Es war falsch, so zu leben... das wußte ich und daher floh ich. Auf dem Tuniberg war ich dann an der Traubenlese aktiv beteiligt: Ich nahm Trauben und aß sie. Die Umstellung auf 'Früchte der Felder' habe ich bereits vor Tiengen vorgenommen, habe dort ein-zwei Kohlrabi 'gemopst', die die Erntemaschine wohl nicht haben wollte. Auch Äpfel und Mais entwickelten sich in dieser Phase langsam zu einem 'Grundnahrungsmittel', jedoch war hier die Auswahl noch groß und die Ernte leicht. Den Tuniberg verließ ich dann in Richtung Merdingen. Hier rufte ich (intuitiv?!) nochmal zuhause an, da der Vadda vorgeschlagen hat, sich mit mir nochmal zu treffen... mich vielleicht auf meinem Weg zu begleiten. Nach einiger Zeit war dann klar, dass er früher oder später eintrudeln müsste... so wartete ich, beobachtete die Gegend und führte Tagebuch... bis Vater kam (was dann doch recht schnell ging). Er brachte mir ausser den Gesprächsthemen auch drei Weckchen mit (von welchen er eines selbst aß, nachdem er bemerkte wie wenig Hunger ich hatte). Das eine aß ich sofort, während ich das andere aufheben wollte. Schon hier bemerkte ich, dass Rationierung die Mutter jeglichen Überlebens sein würde. Es kam nicht darauf an, wieviel man isst, sondern wann.


Warum muss man immer erst etwas erreicht haben, bevor man Gehör findet?! und... findet man dann wirklich Gehör oder sind wir alle schon taub vor lauter Unterhaltung?! Der Herr ist mein Hirte. Wrt ist mein Hirte?! Der Herr!! Dies ist die einzige richtige grammatikalische Lösung. Ich schreibe langsam. Man wird dies Büchlein langsam lesen müssen... langsam und bedächtig. Ich mag dieses Buch, denn es ist von mir. Ich liebe und vergöttere es und erwarte dasselbe von Anderen. Ich bin stolz darauf und halte es für ein Kunstwerk. Ich bin arrogant. Die Leute hier in Oberbergen gehen gerade zu 'ihrem' Winzerhock. Ich grüße sie arrogant und sie nicken freundlich zurück. Hier habe ich auch meine Wasserflasche aufgefüllt. Eine nette Familie hat mich ungesehen ihre Wasser-'reserven' dezimieren lassen. Schlarraffenland Deutschland; ich kann nicht sagen, ob es überall so ist, schliesslich beschränkt sich meine Reise auf das reiche Baden-Württemberg... und bisher habe ich nur Südbaden gesehen - und auch davon nur einen kleinen Teil. Aber das, was ich gesehen habe, war... wie soll ich sagen?!... reichhaltig. Gerne lade ich zehn kleine Negerlein als blinde Passagiere auf einem Bananendampfer in meine Heimat ein, um ihnen garantieren zu können, nicht verhungern zu müssen.

 

Auch hier sei ein kleiner Einschub erlaubt. Es scheint, als mache ich die Einschübe immer genau dann, wenn ich wieder losgelaufen bin... sozusagen als kleine Zwischenstücke. Das was mir unterwegs als 'völlig normal' vorkam, nämlich das Wandern von Punkt A nach Punkt B muss hier wohl explizit festgehalten werden. Es ist für den Leser sonst nicht ersichtlich (oder doch?!) was wann wo und mit welchem Zeitabstand stattgefunden hat. Eine erlebte Zeit in einem Buch festzuhalten wird wohl nie einfach sein... was sind schon zwanzig Jahre, wenn man diesen Ausdruck in zwölf Lettern nierderschreiben kann?!

Von Merdingen aus ging es weiter nach Wasenweiler. Dort packte mich dann der Ehrgeiz. Vater schlug vor, sich am Tage drauf (es war Wochenende) wieder zu treffen, oben auf dem Katherinenberg (der mich immer an das russische Yekatherinenburg erinnert) sollte dies stattfinden. Ich versuchte also, so früh wie möglich diesen Berg zu erreichen, so dass ich Vater dort sein würde und er nicht auf mich warten bräuchte. Ausserdem war noch nicht gewährleistet, dass ich mich unterwegs nicht verlaufen könnte... schliesslich reiste ich noch ohne Karte und war so eher auf mein Gefühl in Sachen Wegfindung angewiesen. Es sollte dann aber alles anders kommen. Ich verlief mich oben auf dem Kaiserstuhl dann doch ein wenig, versuchte dann eine Abkürzung, um auf den ursprünglichen Weg zurückzukommen und musste dann einen recht steilen Abhang nehmen... Naja, schlussendlich baute ich mein Zelt an einem Wegrand auf, in der Hoffnung morgen mehr zu wissen... über den Weg, auf dem ich gelandet bin und über die Richtung, welche ich gehen musste.

Nun, ich hatte dann doch Glück... ich war auf dem Oberrotweilrundweg und kam nach wenigen Stunden in Oberbergen an. Dort versuchte ich sofort den 'Termin' mit dem Vadda auf dem 'Yekaterinenburg' zu canceln, indem ich zuhause anrief. Vadda meinte, dass er einfach nach Oberbergen käme und wir dann ja zusammen auf den Katherinenberg laufen könnten. So sollte es dann auch geschehen. Ich hatte viel Zeit jetzt, die ich in Oberbergen verbringen konnte... wußte ich doch, dass Vater eine ganze Weile brauchen würde, bis er da sei. So konnte ich mich wieder einmal etwas intensiver dem Tagebuchschreiben widmen.

 

Essay. Ein wunderbares Wort. Blindes Schreiben. It's getting dark, too dark to see. Keine sternenklare Nacht über Rust...
 
Irrtum. Es war eine sternenklare Nacht wie lange nicht mehr. Nur der Mond hat gefehlt. War gestern Nacht noch etwas unterwegs, wollte mir den "Park" bei Nacht und aus der "Nähe" ansehen. Nicht sonderlich berauschend, im Gegenteil, der Nachtmarsch hat sich nicht wirklich gelohnt. Verflucht sei die Kälte zwischen 2 und 6. Ob ich einen Sommerschlafsack eingepackt habe?! Ziemlich dünn ist er ja... In den ersten 3-4 Tagen dachte ich noch, dass mich das Gewicht zur Strecke bringen würde. Zu schwer erschien mir der Rucksack, zu erschlagend der Muskelkater in den Schultern... doch so langsam gewinnen die Lustlosigkeit und die Kälte an Macht. Was treibe ich hier überhaupt?! Ich habe geträumt, es sei der 1. Mai und die Musiker spielen vor meinem Zelt, weil ich doch wieder verschlafen habe. Retze war wieder total besoffen (auch alle andern waren 'gut' dabei) und ich durfte 'Donnertrompete' spielen. Ich hatte genau dieselbe Kleidung getragen, wie heute Nacht. Kreischende Menschen, der Park hat wieder eröffnet. Ich wäre gerne bei ihnen, würde gerne ihre emotionsgeladenen Gesichter studieren. Back to the roots... für mich würde das heissen, dass ich zurück zu Mamis guter Küche dürfte, zurück in mein Zimmer... und vor allem zurück ins Zeitalter der Computer. Ich möchte eine Kampagne starten, die eine Alterskontrolle bei Kippenautomaten einführt, da ich am eigenen Leib bemerke, wie stark eine Sucht sein kann. Wenn diese Sucht dann allerdings auch noch das Leben vieler Menschen zerstört (nicht nur das eigene), dann sollte sie erst recht eingedämmt werden. 

 

Mit dem Vadda ging es von Oberbergen aus dann zu Fuß tatsächlich noch zum 'Yekatherinenburg'. Er ließ sein Rad in Oberbergen stehen und verabredete mit der Mutter, dass sie uns in Endingen ja treffen könne und ihn dann wieder nach Oberbergen zum Rad bringen konnte. Der Anstieg auf den Berg mit Vadda war ganz nett, wenn auch (für meinen Geschmack) etwas kurz. Unterwegs machten wir eine kleine Rast an einer recht offenen Hütte, wo man auch in ein Hüttenbuch eintragen konnte, was wir zwei auch mit Freude taten. Oben, bei der Kapelle war dann auch eine große Anzahl an 'Pilgern' zu sehen, die sich das Wochenende wohl mit einer kleinen Wanderung und dem angebotenen Speisen- und Getränkeverkauf versüßen wollten. Wir machten uns recht bald wieder an den Abstieg, Vater und ich. Kamen dann in Endingen an, wo die Mutter auch schon an der Kirche wartete. Sie versorgte mich noch mit einem 'alternativen' Kleidungsangebot, wollte mir noch mehr Pullis, Hosen etc. andrehen, damit 'Bubi' auch ja nicht frieren muss. Naja, einige Dinge waren ganz in Ordnung, so konnte ich z.B. meine dreckigen Socken gegen das gleichflauschige saubere Paar austauschen, welches sie mir mitbrachte. Ausserdem wurde ein Pulli ausgetauscht, nachdem mich Mutti und Vadda überzeugt hatten, dass der 'neue' definitiv wärmer sei, als den, den ich dabei hatte. Irgendwann kam dann auch der Abschied, Vadda wollte so bald wie möglich zu seinem Fahrrad zurück, da er kein Licht dabei hatte... und so konnte ich meine Reise in Richtung Norden fortsetzen... solange es noch hell genug war. Naja, etwas nörlich von Endingen in einem künstlichen Waldstück fand ich dann auch Unterschlupf, um am nächsten Morgen frisch erholt weiter zu ziehen.

Dies war wohl die 'freieste' Phase meiner gesamten Reise. Damit meine ich, dass ich endlich weg von den Leuten war, die ich sonst noch so um mich herum hatte. Kein Vater, mit dem man sich hätte unterhalten können und der einen mit Käsebrötchen gekauft hätte. Keine Bekannten, bei denen man hätte Unterschlupf finden können... und völlig 'neue' Ortschaften, die ich vorher nie besucht habe. Eigentlich hat das 'Gefühl' der Freiheit erst hier so richtig eingesetzt. Da draußen wartete eine Welt darauf, von mir erobert zu werden...

Rust war ein unvergleichliches Erlebnis. Alleine der Durchmarsch durch die Stadt, die wirklich nur von diesem Park zu leben scheint. Überall Hotels, wo teure Autos von reichen Schweizern auf dem Parkplatz stehen, überall Sperrzäune, um 'unfreundliche Zeitgenossen' und Sparfüchse auf Distanz zu halten... Im Ort selbst zigtausende Unterkunft-Infos... ja, bis in die nächsten Ortschaften zog der Park noch wie ein ständiger Schatten umher, war allgegenwärtig. Durch meine 'Einschieberei' hat sich nun tatsächlich ein 'grober Schnitt' ergeben... der Folgende Tagebuchabsatz bezieht sich (logischerweise) auf diesen Satz:

Wenn diese Sucht dann allerdings auch noch das Leben vieler Menschen zerstört (nicht nur das eigene), dann sollte sie erst recht eingedämmt werden. 

und nicht auf das Kursivgeschriebene.

 

Hmm... oder etwa doch nicht?! Gerade eben saß mir noch eine nette Raucherin gegenüber. Sehr energiegeladen, die Dame... wäre sie es auch ohne den 'Rauch' geworden? Tankt sie ihre Energie aus den Zigaretten auf?! Sie meint, das Wetter bliebe noch so bis zum Wochenende. Frauenbezirkstag... und sie leitet das Ganze. Jetzt singen sie, loben und danken dem Herrn. Ich würde gerne mitsingen, aber wieder einmal bereue ich, keine Frau zu sein. In Wittenweier nördlich von Kappel (warum erinnert mich das Alles an FR?!) befinde ich mich jetzt und werde wohl bis Iffezheim auf der deutschen Seite bleiben... nicht, weil ich die Franzosen nicht mag, sondern weil es mir so am Kürzesten scheint. Die Karten, die mir der Vadda mitgebracht hat steigern meine Effizienz erheblich. Wie man unschwer erkennen kann ist meine Lust aufs Wandern verflogen. Nicht dass es die leichten Schmerzen beim Gehen wären, nein, es ist der Alltag, die Gewohnheit, die sich eingespielt hat; die freundlichen Leute, die aber schnell wieder weiter wollen, das Auf- und Abbauen des Zeltes, das Gefühl, doch nichts 'Richtiges' zu machen und das ständige Fressen von Maiskolben... so gehe weiter; will ja noch 'wo' hin.

 

Tja, so schnell kann der 'Wind' umschlagen... aber ich halte trotzdem an meiner obigen Aussage fest, dass es sich hier um die freieste und wohl eindrucksvollste (und damit wohl auch um die erfahrungsreichste) Phase der gesamten Wanderung überhaupt handelte. Hier überkam mich auf jeden Fall das Gefühl, was mich überhaupt in dieses Unternehmen getrieben hat: Freiheit von den 'gebräuchlichen Luxusgütern' unserer Welt. Kein Haus, kein Bett, kein Kühlschrank und nichts warmes zu Essen... von der fehlenden Unterhaltungselektronik ganz zu schweigen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte mir nur noch eines: ein neues erreichbares Ziel.

 

Strasbourg-Neuhof. Keinen Vorort der Welt sollte ich jemals so sehr in meiner Erinnerung halten, wie diesen. Nicht, dass die Bewohner besonders freundlich sind... viele sind es zwar besonders die, die algerischer Abstammung sind, auch nicht, dass die Autofahrer besonders nachsichtig sind, es sind schliesslich Franzosen *zwinker*, sondern die unfreiwillige Dusche, die ich bekam und die Möglichkeit ENDLICH 'aufzutanken' machen diesen Ort zu einem Erlebnis. Gut, es war etwas waghalsig, diesee unbelebte Strecke mit gerade mal einem halben Liter 'Sprit' zu laufen, doch ich dachte, dass ein 'kleiner' Gewaltmarsch ganz in Ordnung ginge und dass ich so wenigstens einen Ansporn hätte, keine Pause zu machen. Dass ich mir jedoch das Wasser schluckweise in Zeitabschnitte einteilen musste hätte ich nicht erwartet. Die Franzosen gegenüber werfen Getränkedosen auf die Strasse. War schon in Ordnung, dass in Berlin 'Dosenpfand' als Gesetz verabschiedet wurde. Das weckt das Bewusstsein. Jetzt sitze ich vor einer verschlossenen (?!) Kirche  und habe meine 'Etappe' absolviert. Ein Mädchen parkt wunderschön ihren Peugeot ein. Viel Kenntnis und Sorgfalt setzt sie dabei ein... 'Vous vous santez bien?!' Ich muss wohl zeimlich scheisse aussehen, warum sonst sollte dieser nette alte Alsacien mich das fragen? Mit brockenhaftem Französisch versuche ich ihm klar zu machen, dass es mir gut geht. Ich sitze noch immer auf der Bank (bzw. lag bis eben noch), um meinen 'pieds' die verdiente Pause zu gönnen. Drüben beim supermarché sitzt noch immer die 'Neuhof-Gang' und weiss nichts besseres zu tun, als zu 'gangen'. Europaweite Ziellosigkeit?! ...vielleicht sogar weltweite? Wenn sie nur ansatzweise wüssten, was es bedeutet zu hungern, wenn sie wüssten, was ungestillter Durst ist, wenn sie wüssten, wie es ist, nachts zu frieren, würden sie versuchen, dass NIEMAND mehr darunter zu leiden hätte?! Weil wir das Leid nicht kennen, bekämpfen wir es auch nicht? Wie soll ich diese Fragen beantworten können, ohne zu wissen? Sie trinken CapriSonne im Kollektiv. Ich liebe Kollektivgeist und verstehe die 'Gang'. Allerdings habe ich auch das Gefühl, 'besser' zu sein, als sie. Gut, ich bin möglicherweise 'reifer' (was immer das heissen mag) und gebildeter als sie (das bilde ich mir zumindest ein). aber trotzdem bin ich vielleicht der 'schelchtere' Mensch, wer weiss?!

 

Bei erneutem Durchlesen fällt es auch mir immer wieder auf: 'Meint der jetzt, nur weil er mal ein bisschen Hunger, Durst und Kälte ertragen musste, muss sich die ganze Welt auf ihn einstellen?!' Schon beim Schreiben auf der Parkbank dachte ich mir, dass dies sicherlich missverständlich sein könnte, doch da galt es 'Wichtigeres' zu tun, als sich zu rechtfertigen (gilt es das jetzt nicht?!). In diesem Moment dachte ich mir nicht, dass diese Jungs und Mädels doch mal das selbe machen sollten, wie ich es getan habe (um diese Erfahrung des Hungerns usw. zu machen) sondern zählte mich selbst auch zu den Unwissenden und Ziellosen, die genausowenig wissen, was es heisst nichts zu Beißen zu haben - mit der kleinen Ausnahme, dass ich Agieren wollte.

Doch vielleicht nun doch erst nochmal zurück zum Weg, von dem ich wieder einmal gar nichts geschrieben habe... Nach Wittenweier ging es über viele weitere Dörfer, Gemeinden und Kommunen weiter... und es war doch sehr eindrucksvoll zu beobachten, wie typisch man hier (in Deutschland) lebt... in jeder Ortschaft gehen die Kinder brav zur Schule, die Kleinen werden dann wieder von Mami abgeholt, alles geht seinen Gang... Die Menschen betrachten mich als Fremden. Nicht weil sie mich vorher nie gesehen haben (sie kennen sicherlich auch nicht jedes andere Individuum der Gemeinde... demnach müsste es viele Fremde geben), sondern weil ich 'anders' aussehe. Mit meinem Rucksack, meinen zerzausten Haaren, dem grossen Schritt und dem zielgerichteten Blick, der die Gemeinde 'nur' als Teil eines großen Ganzen betrachtet wirke ich auf sie fremd und gefährlich. Kaum Neugier, eher Ablehnung meine ich in ihren Augen zu sehen. Ihre Kinder schützend von mir abwendend versuchen sie den alltäglichen, 'sicheren' Gewohnheiten nachzugehen... schnell nach Hause und Essen machen...

 

Jetzt liege ich auf meiner LuMa im 'Colonne' in Strasbourg. Der unwissende Leser stellt sich jetzt sicherlich einen belebten Park im Stadtzentrum vor, doch ist dies nicht der Fall. 'Le Colonne' soll, laut Karte, ein südliches Waldstück sein, dass an SB angrenzt; besser gesagt: es liegt mehr oder minder 'in' SB. Natürlich nicht im Stadtzentrum, sondern zwischen den beiden Vororten Neuhof und Illkirch (vielleicht heisst auch der Vorort nördl. von Illkirch so, dass ist aus der Karte schwer zu entnehmen, doch ich denke, dass das Waldstück in dem ich schlafe einen Namen verdient hat! So!!). An der Einfahrt (ja, hier geht eine Strasse durch) stand 'foresterie privée', also hoffe ich, dass heute nacht kein 'privater Förster' mit seinem Hund mich meines Platzes verweist. Heute habe ich (unschwer zu erkennen) viel Zeit. Ich bin auf den Vorschlag vom Vadda eingegangen und (auch unschwer zu erkennen) nehme jetzt Strasbourg mit ...gut, vielleicht lasse ich ein-zwei Häuser stehen, aber nur, wenn der 'böse Förster' nicht kommt. Im Moment bin ich recht guter Dinge... habe nur Angst, dass die Franzosen nicht so viel Mais anbauen, dass meine drei Blasen (ja, die eine hat Gesellschaft bekommen) morgen noch genauso schmerzen (oder noch schlimmer werden) oder dass mir das Wasser nicht bekommt (warum gibt es hier wohl so viele stille Wasser zu kaufen und warum schmeckt es aus der Leitung so ... schal?!). Ausserdem fürchte ich, dass irgendwann der grosse Hunger (den man doch von Armin kennt!) anklopft und die 750g Haferflocken, die ich seit Bremgarten mitschleppe nicht reichen werden. Wie man sieht ist alles, was ich fürchte, mein ideologisches Ziel nicht zu erreichen: Die Sache ohne Geld und ohne fremde Almosen durchzuziehen. Wie hat sich das entwickelt? Ohne fremde Almosen? Warum darf ich Mom 'n' Dads Küche mitnehmen, aber nichts von Fremden nehmen? Außerdem: Ist der tägliche 'Wasserdiebstahl' nicht auch eine Art 'Almose'? Warum nicht? Ich komme mir wie bei einem französischen Vokabeltest vor: lauter Fragen und ich mittendrin aber völlig hilflos. Na gut es wird dunkel... Zeltaufbauen ist angesagt.

 

Habe heute nacht wieder wirr geträumt: Einmal war ich mit Herrn Kraus am Krozinger Bahnhof und er meinte, wenn man etwas zu Trinken kaufe, sei das Ticket umsonst... allerdings wollte er mit Fahrrad reisen und so wußte ich nicht, ob er nur das Fahrrad umsonst mitnehmen dürfe. Als ich ihn darauf ansprach meinte er: "Mensch Armin, heute ist alles umsonst und du bist ja eh auf Abenteuer, da ist es sowieso umsonst, woraufhin ich schwarz fuhr. Die Zweideutigkeit, die in Kraus' Satz mitschwingt wird mir erst jetzt bewußt. Mensch haben die den Krozinger Bahnhofsunterbau ausgebaut. Eine reine 'Höhle' scheinen die Gänge, die unter den Gleisen angelegt sind zu bilden. Ob eine U-Bahn in Planung ist?!
Warum ich überhaupt zurück musste? Nun ich hatte noch eine CD von Elena im Rucksack, die ich ihr wieder geben wollte. So liess ich mein Zelt irgendwo im Endinger Mais stehen und machte mich auf die Socken. Sie (Elena, Johanna, Thorsten und einige 'dunkle Gestalten') trafen sich bei Christian. Ich schoss noch drei-vier Photos und bekam von Elena als Dankeschön ein Buch mit auf den Weg, welches ich wohl in einer Nacht hätte lesen können (wenn ich Licht gehabt hätte *g*), so dünn war es. Der zweite Teil des Traumes war erschreckend: Eine Mischung aus Diablo3, Familienkrach und 'nichts auf die Reihe kriegen'. Irgendwie war ich im gesamten zweiten Traum total 'böse' und 'kratzbürstig'. Ich schrie Mutti an und hasste Daddy. Wie das alles mit D3 zu tun hat weiss ich selbst nur noch bruchstückhaft. Irgendwie meine ich mich zu entsinnen, dass mein Vater der 'Böse' in D3 sein sollte... aber so ganz krieg ich das wohl nicht mehr auf die Reihe. Auf jeden Fall ging es um einen Ring (gebe ja zu, nicht gerade das neuste Feature), den es vom bösen Zauberer zu 'entfernen' gilt. Besonders die bestechende Graphik macht D3 zu einem Computerspiel, welches einfach jeder einmal angespielt haben muss... Mein Gott, ich habe das erste Release von D3 gesehen *lach*. So, gehe jetzt nach Strasbourg... Nur noch schnell Zeltabbauen und T-shirt wechseln.

 

Ja, viel zu sagen gibt es hier wohl nicht mehr... wie bereits geschrieben: Ich hatte viel Zeit zu schreiben.... und so konnte ich alles 'wichtige', was mir diese Tage aufgefallen ist schon unterwegs festhalten und brauche nun nichts neues dazuschreiben *freu*
 
Strasbourg ist ein Herd von Sinneseindrücken. Ich fühle mich völlig schlapp und trotzdem am Ziel... zumindest Zwischenziel. "Le Michel Café Brasserie" lautet der Ort, dem ich gegenübersitze. Hier konnte ich "tanken". Zwei halbvolle Krüge Wasser standen auf einem verlassenen Tisch. Was heisst "cuire"?! Zwei Mädchen fragten mich nach Geld, ich log (warum?!) und sagte, dass ich mein Geld zuhause gelassen hätte. Sie sagten, dass der Mais "pas bon" sei und "il fait du cuire". Hier passiert soviel auf einmal, dass man gar nicht alles aufschreiben kann bevor nicht schon wieder etwas neues Nennenswertes passiert. Ich weiss jetzt, was der Mann, dem ich 2€ gab meinte, als er sagte: "In der Innenstadt sind zuviele Rumänen." "Kansche tu mir geben Gäääld?!" frägt gleich danach eine junge 'Andere', sie frägt, ob ich nicht zur Bank gehen könne, was ich dummerweise bejahe. Ich gebe mich jetzt so, wie ich mich gerne hätte: ohne Geld, aber mit "Notkarte". Holy hell, what a day! Mein Trip nach Strasbourg ist schon vorbei... musste hier an einem wunderbaren See à Hoehenheim (hoffentlich schreibt man das so *Anmerkung danach: Man schreibt es Hoenheim) erst mal meine pieds von meinen chaussuers befreien. Hier ist ein wunderschöner Trimmdich-Pfad angelegt und ausser den Nutzern dessen scheinen auch strasbourger Hundehalter gefallen am abgelegenen See gefunden zu haben. Mon Dieu! Also entweder ist der Weg um den See recht kurz, oder die Mädels, die hier schon zum zweiten Mal durchrauschen sehr trainiert. Ein nasser Hund und seine 'Eltern' kommen vorbei. Endlich ist wieder alles überschaubar und endlich kann ich meine Gedanken 'sortieren'. Ich möchte ncihts vergessen, von dem, was ich heute erlebt habe aufzuschreiben, aber nach dem Sonnenstand zu urteilen wird mir nichts anderes übrig bleiben... ausser ich nutze die 'Notizenseite' am Ende des Buches. Zum Beispiel war ich eben einem Pferd(ehuf) so nah, wie nie zuvor. Würde ich das vergessen werden, wenn ich es nicht aufgeschrieben hätte? Bestimmt. Mein Gott, was für eine Grammatik! Geh wieder zur Schule, du Aas! Übrigens, die Mädchen kommen noch einmal, zu dritt. Wahrscheinlich gehören sie irgendwie zusammen. Sie konnten es gar nicht fassen, dass man überhaupt so weit zu Fuß laufen kann und dass man sich sechs Tage lang nur von Mais ernähren kann. Gut, auch ich hätte gestaunt, wenn mir das jemand erzählt hätte, aber in ihnen sah ich ausser dem Staunen auch noch das typisch Städtische. Alleine wie sie den Maiskolben angestarrt haben, als sei er das neuste 'supertoy', das auf dem Markt ist. Vermutlich glauben sie, dass Mais in Dosen wächst, wie eine Pilzkkultur im eigenen Saft. Wenn ich sie richtig verstanden habe meinten sie sogar, er sei noch nicht reif, weil er doch so hart sei. Nachdem mich die Mädels (endlich) verlassen haben, machte ich mich weider auf Wassersuche. Ich dachte mir, dass der Viertelliter sicher nicht reichen würde, um aus SB wieder heraus zu kommen, also suchte ich verzweifelt einen Mc-Fress. Kein einziges Schild: 'Mc-Fress nur 500m' war zu sehen. Unter anderen Umständen wäre ich froh gewesen, endlich eine Stadt kennenzulernen, die noch nicht von den amerikanischen Burgerketten entstellt wurde, aber momentan ging es um meine EXISTENZ... oder zumindest um ein paar Schluck Wasser. Ich ging also schön brav in Richtung Nordosten, um so wenigstens noch den Euro-parat zu sehen (*Anmerkung: Was aber leider nicht geklappt hat). Dann kam 'le palais de la musique, où les cardiologues francaises einen Congress abhielten. Gut, mit Kardiologen kannte ich mich ein bisschen aus und Dienstreiseabrechnungen derer, nach sonstwo hatte ich auch schon in der Hand. Allerdings hatten die alle so Clipse an den Jacketttaschen angebracht und die Toilette war von einem afro-amerikanischen Abgeordneten, sprich Neger, versperrt, der sicherlich keinen mit einer visage wie meiner reingelassen hätte. Schliesslich, letztlich und endlich fand ich wieder einen gesegneten Wasserhahn. Musste zwar in einer relativ belebten Strasse über einen Zaun klettern, weil die schlauen Strasbourger ihre Gartentörchen abschliessen, aber was tut man nicth alles um am Leben zu bleiben *g*. Allerdings war ich so schlau (?!) vorher mein Gepäck an einem genialen Ort zu verstecken, wo ich im Notfall (sprich: wenn es zu spät geworden wäre, sich durch die nördlichen Vororte durchzukämpfen) auch hätte zelten können. Hatte dann aber doch zuviel Angst vor dem Strasbourger 'Nachtleben', bzw. vor den Behörden, da das geniale Fleckchen Land, das ich auserkoren hatte nahe dem Hilton und einer sehr belebten Strasse lag. Ein weiteres Erlebnis, was ich ohne dieses Buch sicherlich vergessen hätte, war eine Gruppe Jugendlicher, deren "Rädelsführer" plötzlich: "Jesus, look it's Jesus!" schrie and damn I felt it, just in this very moment I was him. Hatte heute nacht wieder seltsame Träume... iregendwie scheine ich hier draussen jede Nacht von Träumen heumgesucht zu werden... (nicht dass ich das schlecht finde. Nur bemerkenswert.) Es ist müssig, jeden Traum bis ins Detail aufzuschreiben, ausserdem gibt es sicherlich Interessanteres für den Leser, als meine Traumwelt. Daher knapp: es ging um die Mädels in Thorrdes Stufe, ein Experiment mit Hauser und Mme Hollweger, einen Hintern, Musik, ein leckeres Essen, das Faust, zwei Autos, Kippen und Rolf Eggs. Doch neugierig geworden?! Dann fragt einfach. Heute nacht schien ich keine Probleme mit der Kälte gehabt zu haben... zumindest nicht, dass ich wüsste. Vielleicht liegt es daran, dass ich zuzüglich zum Winteranorak diesmal auch meine Jeans angezogen habe. Stattdessen weckten mich abends einige Jugendliche, die ganz in der Nähe (vermutlich am plage, gegenüber) "Hey Babe" gesungen haben. Genau dorthin möchte ich jetzt auch gehen "Vamos à la plaja!" um mal wieder sauber zu werden. Heute morgen fiel es mir ein: "cuire", wahrscheinlich Karies? Gestern abend schien sich dann alles zum "besseren" zu wenden: Ich fand (wie schon erwähnt) endlich Wasser, fand die Mundharmonika (zufällig) in meinem Rucksack, sah dann auch etwas stadtauswärts einen Mc-Fress (jetzt wo ich ihn nicht mehr brauchte) und war mich sicher (warum?) es rechtzeitig noch aus SB raus zu schaffen. Dann der wunderbar gesegnete See hier, den ich gleich testen werde, die Portion Haferflocken mit Wasser, die gestern abend wirklich lecker geschmeckt hat (endlich mal was anderes als Mais), das Gefühl, die Reise schaffen zu können und bald in Beinheim zu sein.

 

Na das ging mir jetzt doch etwas zu schnell... So eine Stadt ist eben doch etwas ganz Besonderes... von Neuhof ging es weiter durch Strasbourgs Vororte in Richtung Zentrum. Strasbourg ist weit größer als Freiburg... und schon Freiburg hätte ich als 'weit zu durchlaufen' eingestuft. Doch ich versuchte mich an jeder Bushaltestelle aufs Neue zu besänftigen, dass es ja gar nicht mehr so weit bis ins Zentrum sei... auch die 'Lust' auf neues beschleunigte meinen Schritt, hat doch Vater noch am Telefon gemeint, dass man Strasbourg unbedingt sehen müsse. Nach einigen Kilometern machte ich eine kleine Rast. Ich nahm mir vor, endlich mal wieder mit jemandem zu sprechen... und es fiel mir nicht leicht... was sollte ich dieser fremden Person in diesem noch fremderen Land sagen?! 'Hallo ich bin Deutscher, wie geht es Ihnen?!' So setzte ich mich erst mal etwa eine viertel Stunde (in etwas Abstand) neben einen netten Bettler, der da auf der Treppe zur Post saß.... irgendwann muss er mich wohl als 'Geldquelle' identifiziert haben und eröffnete ein Gespräch (oder sagte ich irgendwann bonjour?!... oder starrte ich ihn einfach solange fröhlich an, bis er all seinen Mut zusammen nahm?!... egal) Nun, wo der Damm endlich gebrochen war löcherte ich ihn über sein Leben. Ich fragte wie und wo er wohne... Naja, nach einiger Zeit war ich mir dann sicher, dass er wohl nicht so ganz die Wahrheit sagte... so sollte in einer halben Stunde jemand kommen, der die Plastiktüte neben ihm abholen sollte... ich blieb aber mit Sicherheit über eine Stunde neben ihm sitzen... ob er ein chronischer Lügner war oder ob ihm sein Leben peinlich war, vielleicht hatte er auch Angst oder etwas zu verbergen?! Ich weiß nicht. Naja, auf jeden Fall ging ich dann auch weiter, wusste ich doch, dass da noch eine ganze Stadt vor mir lag.

 

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Bin noch immer am See und habe mir eben 2 Powerriegel von Mom 'n' Dad reingeschoben. Das Baden muss leider ausfallen, weil ich dringendst auf Nahrungssuche gehen muss. Die Sicherheit, diese Reise zu schaffen, ist in der letzten 1,5h auf einen absoluten Tiefpunkt gerutscht. "ICH MUSS HIER RAUS!" scheint das einzige zu sein, was meine Psyche zu rufen scheint, doch wie? Ich sehe zwei Möglichkeiten:
1.) Ich fresse meine letzten Reserven, schleppe mich nach SB zurück und schaue, wie ich nach Hause komme.
2.) Ich renne wie der Teufel und hoffe, dass alles gut geht.
Nachdem der "Powerriegel" zu wirken scheint entscheide ich mich für 2.).

 

Tja, was soll ich sagen?! Irgendwie ging an diesem morgen alles noch langsamer, als sonst vor sich.... wenn ich eines auf dieser Reise gelernt habe, dann ist es Geduld zu haben... zu warten, 'bis es soweit ist'. Ich lag also noch etwas in meinem Zelt, wollte mich nicht sofort der Kälte, die da draussen herrschte stellen, sondern mich noch ein wenig im Anorak umdrehen... doch irgendwann bemerkte ich, dass es eben soweit war... ich musste los, wenn ich heute noch ein wenig Strecke schaffen wollte. Dann stand ich auf, räumte alles zusammen in den Rucksack und kroch aus dem Zelt... so lange, wie an diesem Tag hatte ich nie gebraucht, um mein Zelt abzubauen... ich schleppte mich mehr von Hering zu Hering, versuchte möglichst schnell zu sein und trotzdem auf energetisch niedrigem Niveau meine Arbeit zu verrichten. Ich wusste, dass ich etwas essen müsste... doch hatte ich keinen Maiskolben mehr... nur noch einzelne Körnchen bedeckten (wie jeden Morgen) den Zeltboden, weil sie aus Rucksack oder Hosentasche entfleucht sind.... diese aß ich langsamst... fand kaum Kraft zu kauen... warum?! Dann doch ein 'Müsliriegel'.... doch irgendwie schien mich auch dieser nicht 'glücklicher zu machen.... nach langem überlegen und schwersten Gewissensbissen dann der zweite....  sitze auf einem Stein... Psychoterror... warum nur, warum nur?!... weiter... nur wie?! ... so nicht... NACH HAUSE!!! ... nein... nein... weiter weiter.... was hab ich getan?! ...nicht aufgeben... du schaffst das... nur ne Schwächephase...

Was ich hier versuche kläglich in Worte zu fassen muss wohl in diesem Moment in meinem dumpfen Kopf umhergeworfen worden sein.... ich sass nur auf dem Stein... verloren und unbeteiligt. Doch irgendwann muss wohl der zweite Müsliriegel unten angekommen sein. Ich wusste nur eines: wenn ich auf dem Stein hocken bleibe, dann bringt mich das nicht weiter... also machte ich mich an die zweite Pflicht des Tages: Wasser holen. Ich liess mein Gepäck in einem Gebüsch liegen und lief nach Hoenheim zurück (nur eine Minute Marsch) um dort meine Flasche zu füllen. Dann gönnte ich mir doch noch eine Portion Haferflocken mit Wasser... sie schmeckte nicht so herrlich wie am Vorabend, doch sollte sie auch nur ihren Zweck erfüllen: Kohlehydrate bis zum nächsten Maisfeld.
 
Der Feldhüter von Wantzenau gibt mir neuen Mut... und das ist es auch, was er mir wünscht. Die Franzosen sind auf der Strasse gar nicht so ruppig, gut, sie halten sich nicht an die Regeln, doch zu Wanderern scheinen sie kein schlechtes Verhältnis zu haben. Während ich in Deutschland hauptsächlich als Hindernis betrachtet wurde grüsst man mich hier mit Lichthupen, Hupen und winkenden Händen (liegt aber sicher auch an den breiteren Strassen). 30-35 km sollen es laut Feldhüter noch nach Beinheim sein. Wenigstens eine freundliche Schätzung. Hört sich nach noch zwei weiteren Tagen an, also noch zweimal schlafen :-). Der Feldhüter meint, wir seien vom selben Menschenschlag, sagt, das Freiburg ein "Aushängeschild" sei und war schon in Asien und Südamerika, Unsere gemeinsame Reise geht schätzungsweise nur 1,5 km. Eigentlich ganz Okay, so habe ich wenigstens auf meiner Reise nur ein bisschen "geschummelt". Der Feldhüter meint: "Das zählt nicht, ich bringe sie ja nur bis zum Ortsschild..." fast hätte er mich noch zu "Mama" zum Mittagessen eingeladen, doch es sollte doch nicht so kommen. So, mache mich wieder auf den Weg, hätte gerne noch die Adresse vom "Feldhüter" gehabt, aber hätte ihm in meinem zukünftigen Leben wohl doch nie geschrieben. Allez-y, avec nouvelle courage retournée au voyage.

 

(Ja, ein Engel war er, der Feldhüter. Unterwegs fand ich wieder Mais, was wohl auch meine Psyche wieder ein wenig versicherte, so dass ich bald wieder guter Dinge unterwegs war... Strasbourg war nur noch ein dunkler Geist, ein schwacher Albtraum hinter mir.... 

Alltag, Gewohnheit, ja, Friede setzte wieder ein, nach den chaotischen Erlebnissen in der 'andern Welt'. Das Treffen mit dem Feldhüter (der übrigens 75 ist, was ich scheinbar noch nicht erwähnt habe) war dazu noch die Krönung des Ganzen. Der erste Fremde, der meine Reise versteht, ja mich sogar ein wenig um sie beneidet.... Im Kofferraum seines kleinen Renaults sitzt sein netter Schäferhund und passt auf meinen Rucksack auf. Der Feldhüter meint, dass die Maschinen die Welt irgendwann mal ins Chaos stürzen werden und deutet dabei auf einen alten Mähdrescher am Strassenrand... Ich denke mir meinen Teil...)
 
Verdammt heisser Tag heute, aber die Elsässer haben einen besucherfreundlichen Baustil, so dass das "Wassersuchen" überhaupt keine Probleme bereitet. Ich sitze auf den Kirchenstufen von Kilstett, leider ist die Kirche geschlossen, so dass ich nicht hineingehen konnte um zu beten. Ich nehme mir vor, ab jetzt wieder vor jeder warmen Mahlzeit zu beten. Auch Mais haben die Franzosen genug, so dass ich jetzt wieder im Besitz eines 'Reservekolbens' bin. Hier in Klistett herrschen Strassenbauarbeiten. Alles geht seinen geregelten Weg. Ich glaube (oder hoffe ich?), dass ich den "Wiedereinstieg" ins System nach der Reise schaffen werde und alles ist gut (sprach der Herr).
 
Meine Nase tropft ins Gras... nein, nicht Nasenbluten, auch kein Schnupfen, sondern der beissende Schweiss, das schmerzende Zeichen geleisteter Arbeit, hat soeben einen Sprung ins Freie gewagt. Ich weiss zwar nicht, wie oft ich in diesem Buch den Ausdruck "Gewaltmarsch" verwendet habe, doch meine heutige "Leistung" toppt alles bisher Dagewesene (vielleicht mit Ausnahme von Ichenheim). Zuviele Schnaken hier, baue erst mal das Zelt auf... und wenn dann noch Licht ist... So, ein wenig kann ich noch sehen. I am back! On the road again! Muss zwar morgen so früh wie möglich noch mal tanken, aber das ist im Moment meine einzige Sorge (mit Ausnahme der Füsse, die tierisch schmerzen und schon wieder neue Blasen unter die Alten ansetzen - hoffentlich werdens morgen nicht noch mehr). Le "credit mutuel" hat heute nur Temperaturen über 30° angezeigt. Eine Bank (nur eine Ortschaft von der entfernt, die 30 zeigte) meinte sogar es hätte vierzig Grad, aber das war dann wohl doch etwas übertrieben. Ich finde es genial, Alle können hier deutsch sprechen, naja, zumindet fast Alle. So jetzt wirds mir doch n bissl zu dunkel... ausserdem bin ich voll im Arsch.
 
Herrlich, wie auf einen Gipfel stürme ich zu. Ziemlich früh morgens ist es (zumindest für meine Verhältnisse). Es liegt noch Tau auf dem Gras und der Tag scheint nur darauf zu warten, dass ich aufbreche. Mehr als die Hälfte habe ich schon verstaut im grossen Ruchsack, fehlt noch die Luma, die Tüte mit der Jacke... dann noch schnell das Zelt abbauen. Ich freue mich auf den Tag.
 
Ensuite je me trouve à Roeschwoog et il est seulement une plusieurs village entre Beinheim et moi. Au jourd'hui il n'est pas que chaud que hier, le mutuel dit, qu'il y on a vinght-trois degrées. C'est fascinée que je retrouve mon mauvais francais jour par jour. A Drusenheim par example j'ai retrouvé le mot oublier. Je n'ai pas lit ca sur un tableau au route ou quelque chose, non, tous-simplement il était là de dans ma tête. So, nun aber wieder für die dt. Leser. A Sessenheim-Dengolsheim überholte mich ein voiture de la Gendarmerie. Es hielt vor einem netten Haus und mein erster Gedanke war: "Hehe, Hausdurchsuchung?!"  Der zweite etwas realistischere war dann: "Äh, Blitzer veilleicht, klar Ortseingang..." ... "...aber mit dem Auto kriegen die doch keinen." Et quand les hommes bleus ont descendu la voiture et attendu tous le temps, j'ai compris: " Ils veulent moi!" L'un d'eux voulais savoir, d'où je suis et où je veux aller et l'autre a pris mes papier pour controller quelque chose dans la voiture. Mais à la fin mon nouveau ami arrive, dont je n'ai pas déjà parlé (ich sollte mich schämen). Il m'a donné deux bouteilles d'eau et disparu comme il a arrivé. Also um die story jetzt doch noch ma etwas zu verdeut(sch)lichen: Der nette Kerl, von dem ich jetzt spreche (ich nenne ihn mal Sèrge) kommt aus Drusenheim (zumindest hat er da gestern gearbeitet. Er schob gerade eine Schubkarre vor sich hin und fragte mich, ob ich "besoin d'eau" hätte, leider etwas zu schnell, so dass ich (mit dem guten Wissen, dass hier sowieso jeder deutsch sprechen kann) mit "Bitte?!" antwortete. Wissend nickend fragte er mich dann: "Brauchen sie Wasser?"...klar, ich trug noch immer die leere "Oasis tea pêche"-Flasche vor mir her, die ich beim MJC gefunden habe (da war allerdings noch'n Schluck drin), "Nein Danke, geht schon..." oder sagte ich "non merci, ca va"? ...egal ...er wünschte mir noch einen guten Weg und ich freute mich einen weiteren netten, französischen Menschen "kurz kennengelernt" zu haben. Tja, und genau dieser nette junge Kerl steht tags drauf mit seinem Peugeot plötzlich "hinter mir", steigt aus, gibt mir zwei Flaschen, klopft mir auf die Schulter, dreht sich um und wünscht mir "gut Strass" ...natürlich nicht, ohne sich vorher bei messieur gendarmerie auszuweisen. Er sagte: "je travail au garage ... à Drusenheim..." ein Engel, der einfach da ist, wenn man ihn braucht.
 
...Finally, endlich: Back to life! Nicht irgendeine Mittermeiershow, sondern Armin unplugged. Na gut, das hört sich jetzt etwas überzogen an, aber ich schreibe, was mir gerade in den Kopf kommt. Überhaupt handle ich doch recht intuitiv in letzter Zeit... und es hat sich noch nicht als falsch erwiesen. Finally I've reached Beinheim. Frau Schrepffer (ich werde diesen Namen wohl nie richtig schreiben) hat mich fürstlich empfangen. Sie ist sogar extra nochmal zurück mit mir zum Haus gegangen (sie wollte eben den Hund zurückbringen), um mir alles zu zeigen und dann noch mal mit dem Hund loszugehen. Der See ist immer noch wundervoll, ich war eben drin, sozusagen zur traditionellen Ritualerfüllung, nein nein, wer mich kennt, der weiss, wie gerne ich schwimmen gehe und gerade jetzt, wo ich so verschwitzt, erschöpft und ausgepowert war, war der kühle, klare See genau das Richtige. Genau wie sich sonst meine Füsse für das Ausziehen der Schuhe und Socken bedankten, so dankt mir jetzt mein Körper für das wohltuende Erlebnis "Wasser", welches mir nun schon 5(?)Tage nicht mehr vergönnt war.
Habe heute das erste Mal seit langem (2 Jahren?!) wieder Fleisch gegessen. Eine Linsensuppe mit Speck stand auf dem Speiseplan de Mme Schrepffer... bzw. die Reste dessen, was es heute Mittag gab. Etwas warmes, ich hatte nun schon seit dem 12. nichts  mehr warmes (*Anmerkung: an dem Tag war der 20. ...geht also noch, wenn man bedenkt, dass andere Menschen nie etwas warmes kriegen), weshalb es für mich etwas recht besonderes war. Auch Alkohol stand auf dem abendlichen "Genussplan", so gab es Hausgebranntes und good-ol' Redhouse Pils. Irgendwann im Laufe des Abends bekam ich dann Nasenbluten, als ob ich es gestern schon vorgeahnt hätte. Eben kam sie noch vorbei und brachte mir ein "Betthupferl": 3 Stück = 1/2 'Ripple' Schokolade. Aus dem Nachbarhaus dröhnt Technomusik und ich meine Mädchenstimmen zu hören. 'Soll ich mal schnell rüber gehen?' schiesst es mir durch den Kopf. Heute nacht brauche ich kein Zelt aufzubauen, ich bin "sauber" und habe elektrisches Licht. Ich schätze diese Dinge zwar, doch fallen sie mir nur umstandshalber auf. Sehr kümmerliche Ernte für diese Saat (die mir jetzt noch in den Knochen liegt). Werde jetzt auch mal schliessen und noch den Mädels lauschen.
 
Vergib mir Vater ich habe gesündigt. Ich habe deinen Glauben nicht verfolgt, obwohl ich nicht genötigt war, es zu tun. Ich sündigte aus freien Stücken um ihr nicht zu missfallen. Sie versuchte mich zu bekehren... in wieweit ist es ihr gelungen? Selbst deine Prüfungen erfüllten in mir den Drang danach, nicht nach dem Glauben zu leben. Ich bemerkte, dass der Glauben in mir (noch?!) kein Glück erweckt. So werde ich wohl einen Kompromiss zwischen dem Glauben und dem Begehrten schliessen, bis ich stark genug bin, meine Begierde immer mehr zu besiege(l)n.

 

Bin wieder unterwegs. Die letzten Zeilen schrieb ich in der Bushaltestelle in Niederlauterbach.... Frau Schrepffer konnte es nicht unterlassen, mich einige Kilometer zu fahren... erst meinte sie, sie ginge auch einkaufen... doch ich bin mir nicht so sicher, inwieweit das der Wahrheit entsprach... naja, auch sie wollte nur das 'Beste'. Sie hat sicherlich ein völlig unverrückbares Weltbild (wer hat das nicht *g*) und es wäre sicherlich unhöflich gewesen, ihre Dienste abzuweisen. So gab es am Folgetag eben ein saftiges Steak, eine 'Packung' Lachs, teuren Schnaps aus Südfrankreich und weitere Leckereien, vor denen ich nun seit mehreren Tagen floh... das System holte mich unterwegs wieder ein - in Form von Solidarität - bot mir an mich mit meinen eigenen Waffen zu schlagen. Ein Angebot, welches ich in blindestem Vertrauen freudig entgegen nahm.
 
Hatte gerade ein "positives" Erlebnis: "Schaidt 7km" lautete das Schild... und das erste Mal war ich auch etwas unglücklich, zu wissen, dass es nur noch so 'weit' ist. Der nächste grössere Gedankengang war der Ehrgeiz; "Mensch, das kann ich ja heute abend/nacht schaffen!" ...und dann? Nach Schaidt (so dachte ich) würde ich gleich wieder nach Hause gehen... vielleicht sogar mit dem Zug. Jetzt hingegen ist es mir schon ein bisschen "schummerig" zumute. Schon nach Hause wieder?! Jetzt war ich doch grad mal zwei Wochen weg... oder doch noch nach Braunschweig?! Aber das ist mir dann doch wieder zu weit... ausserdem sind jetzt schon die meisten Maisfelder abgemäht... wie sieht es dann wohl in zwei Wochen aus, wenn ich gerade mal (schätzungsweise) 1/3-1/2 der Gesamtstrecke habe?! Was, wenn das Wetter scheissiger wird?! Jetzt erst mal weiter nach Schaidt... alles andere ergibt sich dort (hoffe ich).

 

Hier ist wohl die richtige Stelle, um sich bei Aaron und Sarah für die wunderbare Unterkunft zu bedanken, die sie mir ermöglichten. Die Pause, die ich bei ihnen einlegen konnte hat wohl überhaupt ermöglicht, dass ich überhaupt noch weitergegangen bin. Sie war zwar einerseits ein kleiner Schritt zurück ins System, doch andererseits auch genau der richtige Ausgleich, um auch noch weiterhin Spass an der Reise zu haben, nicht an und in der Gewohnheit unterzugehen. Hier war auch wieder 'normale Kost' auf dem Speiseplan zu finden, so dass ich frisch gestärkt wieder weiterziehen konnte. Alles in Allem war wohl der Aufenthalt dort eine Regenerationsmöglichkeit sowohl in geistiger, seelischer, als auch körperlicher Hinsicht.

 

Es hat sich ergeben: Baden-Baden, dann vielleicht noch Endingen und dann ab nach Hause. Desweiteren werde ich versuchen, meine zukünftigen Ziele tatsächlich mit dem Rad zu erreichen. Zwar mag der Weg das Ziel sein, doch denke ich auch, dass ich meinen Weg (zumindest für diesen Lebensabschnitt) gegangen bin und das Ziel erreicht worden ist. Es wäre weitaus effizienter nach Hause zu gehen und danach nach Braunschweig zu radeln, als den ganzen Weg zu marschieren (und dabei unter Umständen noch die Bahn nutzen zu müssen). Unter mir fährt gerade ein Schiff rheinaufwärts, ja, ich sitze gerade auf der Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth und geniesse eine Rückenmassage. Eigentlich wollte ich so früh noch gar nicht "pausieren", doch die Vibration auf diesem "Wunderwerk der Technik" animierte mich dann doch dazu, dies Erlebnis "festzuhalten". Zwei weitere 40-Tonner brausen dicht hintereinander über die Brücke, um uns ihre Waren "freihaus" zu liefern. Transport eben. Die Maschine läuft. Ich sitze hier ausgegrenzt von der Maschine, nehme von ihr, was mir gefällt und was ich "brauche". Ich schäme mich. 
 
Der Weg ist das Ziel.  Das heißt, das ein Ziel erst dann erstrebenswert ist, wenn dafür ein Weg beschritten werden muss. Ein Ziel ohne Weg ist nicht zu erreichen oder ist schon erreicht und daher in der Gegenwart gar kein Ziel mehr. Mein Ziel ist BB und der Weg führt an noch mindestens zwei "Angststellen" vorbei: Nächte. Gut, ich freue mich schon, dass es abend ist, die Sonne sich dem Horizont neigt und ich endlich meine Füsse und Schultern entspannen kann, abdererseits habe ich "Angst" davor, heute nacht aufzuwachen und nicht wieder einschlafen zu können. Naja, ohne Weg auch kein Ziel :-).

 

Erschreckend, dass ich im Original kein einziges Wort über Karlsruhe verliere... hat sich mein Erlebnis in Strasbourg so negativ in mein Gedächtnis gefräst, dass ich nun jeglichen Stadtkontakt verleugne?! Dabei war Karlsruhe eine weit erholsamere Erfahrung als Strasbourg: keine brütende Hitze, keine von Touristen überfüllten Strassen, keine Cafés, keine Unterhaltung. Transport, klar, aber keine offenen Anzeichen von Kapitalismus. Gut, ich war nicht in der Innenstadt, vielleicht kommt mein 'positives' Bild daher... Keine aufdringlichen Geschäfte, die sich gegenseitig die Kundschaft mit noch größeren, noch besseren und noch listigeren Angeboten streitig machen, sondern ruhige Vororte in denen einfach nur gelebt wird. Mal fährt eine Straßenbahn vorbei, mal eine Horde Autos, denen endlich 'grün' signalisiert wurde... Transport eben. Auch im Hafen geht es eher ruhig und gelassen zu. Die Mammutschiffe haben Zeit und wichtig ist nicht, wann die Ladung ankommt, sondern dass... Auch ein Museumsschiff ist zu sehen, doch traue ich mich nicht hinein... wie schon in Strasbourg fehlt mir die Gelassenheit ein paar Minuten oder Stunden verstreichen zu lassen, ohne zu wissen, ob mir die Zeit noch reicht um aus der Stadt zu kommen. Besonders, wenn man sich verlaufen hat gibt es das Gefühl häufig, sich beeilen zu müssen. Plötzlich fühlt man sich falsch, muss dringend wieder die richtige Spur finden und so schnell wie möglich wieder in seine 'Bahn' kommen... nur dann kommt wieder die Gelassenheit auf, nur dann lässt man sich Zeit im guten Wissen 'richtig' zu sein. Ja, so eine Wanderung ist doch wie das 'echte' Leben....
 
Es war eine lange Nacht: Ich bin des öfteren aufgewacht und genauso unruhig wie mein Schlaf, schienen mir auch meine Träume gewesen zu sein. Ich träumte unter anderem davon, das eine Boeing unweit von mir (500m?) abstürzte, ja, meinte schon fast, sie wolle mir auf den Kopf fallen. Dann waren da noch ständige "Heimkehr"-Träume im Spiel, in denen ich aber wusste, dass es nur Träume waren und aus denen ich dann aufwachte (oder träumte aufzuwachen). Naja, werde jetzt erst mal den See aus der "Nähe" betrachten (wie nah, wird sich zeigen), um so auf "bessere" Gedanken zu kommen. Achso, ja, ich bin wieder nahe eines "Badegebiets" angekommen und auch ein neues NFH (war nicht auf der Karte, aber auf nem Infostand bei Rheinstetten, wo ich mich jetzt befinde) soll sich hier in der Gegend finden lassen. Nach dem Baden geht es dann weiter... allerdings weiss ich noch nicht, ob ich es in zwei Tagen schaffen werde, sprich: vielleicht "nochmal" schlafen muss. Verdammt ich weiss nicht, ob ich nur träumte, dass es noch Maisfelder gibt, oder ob ich gestern wirklich welche gesehen habe(?!).
 
Sitze jetzt unten am "Eggle-See" (oder wie der heisst). Ich war gerade drin und muss sagen, dass es wohl doch nicht richtig gewesen wäre, Aaron und Sarah zum Kandeler See zu überreden, da sich zumindest Sarah bei der Kälte nicht hineingetraut hätte. Selbst ich bin höchstens 15-20min dringewesen und konnte mich nur deshalb überreden, weil mein Körper seit Sonntag (letzter Woche!) mit Wasser nicht mehr in Kontakt gekommen ist (ausser Hände und Gesicht). Also es ist jetzt Dienstag, der letzte Dienstag im September (...müsste 29. oder 30. sein). Ich "frühstücke" Erdnüsse, die ich in einem "Müllfass" am See gefunden habe. Warum hat man sie weggeschissen? Sie schmecken vorzüglich. Ausser den Nüssen waren auch noch einige leere Schalen zu finden. Deshalb gehe ich davon aus, dass die ehem. Besitzer einfach satt waren... In meiner Vorstellung übersättigte Städter, die im Überfluss leben. Hier am See scheinen, trotz niedriger Temeraturen viele ihrem Plaisir nachzugehen.: Der Surfer schlüpft in seinen Neoprenanzug um den Wind zu nutzen, ein Camper füttert Enten und Schwäne mit Brot, welches ihm zu hart scheint, ein schon ergrauter Mann lässt seine "Modellyacht" dem Wind trotzen und der Scheiberling findet Neuigkeiten über die er berichten kann: 3 Männer, ein Fallschirm, ein Board und eine Halterung mit Seilen. Erst dachte ich, die gäben sich zufrieden damit, ihren doch recht ominösen Drachen steigen zu lassen, doch dann sah ich das Board. Es sah recht interessant aus, wie der Mann auf dem Board dann den See mithilfe des Drachen überquerte, doch andererseits finde ich es schade, dass man (im Gegensatz zum Surfen) nur in eine Richtung fahren zu können scheint. So fahren die andern beiden danach wohl auf die andere Seeseite um ihren Freund dort wieder abzuholen. Ich werde jetzt weitergehen. Wie spät es wohl schon wieder ist?! Naja, vielleicht noch jemanden fragen.
 
 Wieder mal ein "Donwpunkt" erreicht. Zwar bei weitem nicht mit dem zu vergleichen, was ich in (bzw. nördlich von) SB erlebte, aber trotzdem: down. Meine Schultern schmerzen wieder. Ich gebe den Wassermassen die Schuld. Ich trage im Vergleich zum "Start" 2,5 l mehr und im Vgl. zu "vor Schaidt" immerhin auch noch einen ganzen Liter (oder 1,5?) mehr im Gepäck. Hier "raste" ich nun und trinke :-/. Ich beschliesse mein Wasser "umzupacken" un die Tüte von C&A (die mich seit KA begleitet, weil sie so einsam im Graben lag), um so meinen Rücken etwas entlasten zu können. Aber nicht nur das Wasser (bzw. dei Schultern) machen mir zu schaffen. Ich habe das Gefühl, als hätte sich heute alles gegen mich verschworen. So versperrte mir z.B. eine Baustelle den eigentlichen Weg, den ich gehen wollte, so dass ich einen Umweg in Kauf nehmen musste. Auch das Wissen, von einem Bahnhof hier in der Gegend nur 33min bis nach BB zu brauchen (statt weiterer zwei Tage) macht mich nicht gerade glücklicher. Schliesslich und endlich noch die Uhrzeit... Auf dem Bahnhof, wo ich gerade mal ca. 1km hinter mich gebracht habe war es schon viertel nach drei(!), so komme ich doch nie in BB an! So jetzt aber genug gejammert. Will höchstens noch zwei Nächte im Freien verbringen... von daher: Allez-Hopp. On y va.
 
 
So, that was my dairy. Schön nicht?! Hehe.
 
Naja, das Ende vom Lied (welches ich nicht mehr aufgeschrieben habe) sieht wie folgt aus: Es waren nach Schaidt zwei Nächte, die ich im Freien verbracht habe. Die zweite war weitaus angenehmer als die Erste. Ähnlich wie vor Beinheim wachte ich recht früh auf (auf jeden Fall vor zwölf... ich schätze auf 10:30) und war guter Dinge in dem Wissen heute nacht in einem warmen Bett (bzw. auf einer warmen Couch) zu schlafen. Habe dann südlich von Muggensturm bei Nacht mein Zelt aufgebaut und konnte daher nichts mehr schreiben. Auch am Tag drauf, als ich bei Schloß Favorite ankam war nichts mehr mit Schreiben, da es plötzlich anfing zu tröpfeln und sich dieses Tröpfeln in ein Gießen wandelte... Bin dann über den Berg nördlich von BB gestiefelt und habe mir da noch dreckige Schuhe geholt und bin dann völlig durchnässt, verschwitzt und dreckig bei meiner Schwester angekommen, die mir (da sogar sie meinen Geruch wahrnehmen konnte) sofort eine Dusche anbot, die ich aber dankend ablehnte. Ich wusch mich dort aber wenigstens und verbrachte zwei wunderbare Nächte auf der Couch im Wohnzimmer. Danach trampte ich weiter (Hier ein Einwurf an alle, die so etwas (also trampen) vorhaben: Kommt auf die Autobahn und versucht es auf Raststätten. Hier ist es am einfachsten an Leute zu kommen... wenn ihr erst mal auf der Autobahn seid (und diese nicht zu schnell wieder verlasst) dann solltet ihr recht rasch vorwärts kommen können... Nur erst mal an eine Raststätte zu kommen... das ist 'die Kunst'). Ich hatte keinen Bock mehr auf kalte Tage und Nächte, wollte wieder mal an meinen Rechner kommen und auch zurück ins System finden, welches mir doch dieses Leben erst ermöglichte, um ihm (dem System) zu dienen.... Ja, in dieser Hinsicht bin ich mit meiner Ideologie wohl etwas gescheitert. Es siegten offensichtlich die Gier, die Begierde, die Beqeumlichkeit und damit die Industrie, welche mir diese 'Waren' verkauft. Ich muss das System mit dessen Hilfe verändern, muss mit ihm kooperieren. Auch ich muss ein porschefahrender Journalist werden, der in einem eigenen Häuschen wohnt (metaphorisch zu verstehen!!!), bevor ich weiter planen kann und versuchen kann meine Ziele von hier aus zu erreichen.

 

Hier sollte nochmal Platz für ein Dankeschön an alle sein, die mich in diesem Unternehmen sowohl geistig als auch materiell unterstützt haben. Ich weiß nicht, wem ich wieviel 'Dank' schulde, oder ob man 'Dank' überhaupt 'schulden' kann, doch fühle ich mich vielen Menschen da draußen verpflichtet und das leichteste ist wohl, sich erst mal zu bedanken... die Geschenke kommen später ;-)

Ich gehe beim bedanken einfach chronologisch vor, damit sich keiner auf den Schlips getreten fühlt, gell?!

Als erstes danke ich Mom and Dad. Es gab keinen Moment, in dem mir einer von euch beiden sagte, dass mein Unternehmen falsch sei... aber ihr sagtet mir trotzdem ehrlich, was ihr davon haltet und wie ihr euch der Sache gegenüber fühlt. Ihr hättet mich wohl auch bis Braunschweig oder Berlin laufen lassen, wenn ich gewollt hätte und hättet nicht erwartet, dass ich irgendwann einmal das, was ihr mir geschenkt habt zurückgebe. Auch die Unterstützung während der Reise, die netten Telefonate, die Käsebrötchen und das Gefühl, dass sich da draussen jemand um einen sorgt hat seinen Teil zu der Reise beigetragen.

Der nächste Dank geht gesammelt (ich kann ja nicht das halbe Buch mit Dankschreibungen 'beflecken') an die ersten Stationen, die mir den Einstieg in die Reise ermöglicht haben. Sowohl Alex, als auch Elena (und vor allem deren Mutter und Schwester) und auch Lydl und Uwe haben mir eine Unterschlupfmöglichkeit geboten, haben mich mit Nahrung versorgt, als sei ich einer von 'ihnen'. Das, was ich ursprünglich auf der Reise vorhatte, nämlich Menschen zu treffen und ihnen meine Sicht der Dinge zu schildern, war hier bereits ansatzweise geschehen. Heißen Dank!!!

Als nächstes wäre dann der Feldhüter dran. Schade, dass er dieses Dankeschön wohl nie lesen wird. Er gab mir neue Kraft, zeigte mir, dass es da draußen noch andere gibt, die meine Gedanken teilen und für sie kämpfen oder kämpften. Hätte es von diesen Menschen noch einige mehr auf der Welt, so wäre ein soziales Gleichgewicht wohl viel eher in Aussicht als heute, wo jeder 'nur' seine Arbeit verrichtet ohne überhaupt nach links und nach rechts zu sehen.

Dann muss ich auch Serge danken. Dieser französische Engel hat mich unterwegs wohl am meisten berührt. Er handelte aus freien Stücken, wollte mich unterstützen - einen Fremden, obwohl sich dieser Fremde nicht als besonders gesellig zeigte. Auch bei dir, lieber Serge bedaure ich sehr, dass dich die Dankesworte wohl nicht erreichen werden. Wie gerne würde ich dir auch mal 'das Wasser reichen', wie gerne würde ich helfen, deine Schubkarre zu schieben um damit wenigstens einmal etwas sinnvolles gemacht zu haben.

Bei Frau Schrepffer möchte ich mich auch bedanken. Sie war auf der Reise wohl eine der impulsivsten Kräfte überhaupt. Ich habe im gesamten Tagebuch nicht besonders freundlich über sie geschrieben, habe offen gezeigt, dass ich ihre Welt nicht verstehe und deshalb auch nicht teilen möchte. Doch trotzdem hat sie vielleicht auf lange Sicht die meiste Arbeit in mich investiert. Sie hat mir offen gezeigt, dass das was ich hier mache nur für mich von Nutzen sein kann, dass ich definitiv auf einem 'Ego-trip' bin und dass ich diesen nicht auf ewig fortsetzen sollte. Vielleicht bin ich jetzt noch etwas traurig, es nicht bis Braunschweig geschafft zu haben, doch vielleicht werde ich irgendwann einsehen (vielleicht sehe ich das jetzt schon ein bisschen), dass diese Reise, je länger sie gedauert hätte, desto destruktiver gewesen wäre. Die Kritik, die mir Frau Schrepffer offen vorgelegt hat und auch diejenige, die unterbewusst stattfand war ganz sicher eine Bereicherung in meinem Leben. Und dafür muss ich danken.

Obwohl ich Aaron und Sarah bereits 'während des Tagebuchs' gedankt habe, so möchte ich es hier noch einmal tun. Ihr zwei gabt mir einen Ruhemoment in meiner Reise, den ich sicher benötigte. Eure Heimat war ein Ziel meiner Reise, was sich immer mehr vor meinen Augen kristallisierte. Es ging soweit, dass das Schild 'Schaidt, 7km' in mir Gefühle aufrief, wie es wohl kein anderes Straßenschild vermocht hätte. Es war für euch selbstverständlich, dass ich mich an eurem Gut laben und euer Privatleben stören durfte. Danke euch zweien... auch fürs Blutspenden :-)

Die letzte wertvolle Etappe meiner Reise ging nach Baden-Baden. Auch hier lebte ich mitunter nur noch für die Ankunft an diesem wunderbaren Ort, wo ich endlich wieder ruhen durfte. Hier nahmen mich Sandra und Matthias (und natürlich auch der Rest der SWR-Community) auf und opferten Raum, Zeit und Gut, um mich versorgen zu können. Danke Sandra, Danke Maddes für das heimelige Gefühl, welches ich bei euch geniessen durfte.

Wie konnte ich diese Reise ohne Geld überhaupt schaffen?! Wäre ich in der Hinsicht gescheitert, wenn da nicht die netten Autofahrer gewesen wären?! Wäre ich zum Appenweirer Bahnhof gelaufen, wenn mich dieses wunderbare Mädel (dessen Namen ich auch nicht kenne) nicht mitgenommen hätte?! ...oder hätte ich mich in mein Zelt niedergelassen und noch eine weitere Nacht frieren müssen?! Schwer zu sagen. Sicher ist auf jeden Fall, dass ich mich bei den vier (fünf wenn man Mami mitzählt) netten Autofahrer(inne)n bedanken muss, die mir die Reise von Baden-Baden nach Bremgarten wie im 'Fluge' ermöglichten. Zu Fuss hätte ich mit Sicherheit noch eine Woche gebraucht... und Mais war auch nicht mehr zu finden... wenn also irgendwer dafür verantwortlich ist, dass ich unterwegs kein Geld investieren musste, dann mit Sicherheit die zuvorkommenden Leute, die dieses 'Dankeschön' wahrscheinlich auch nicht lesen werden. Schade.

Zum Schluss muss ich meinen Freunden danken. Ihr habt mich wieder bei euch aufgenommen, obwohl ich euch einfach so verlassen habe. Ich sagte euch nicht, ob, wann und wie ich wieder zurück sein werde, bei einigen von euch habe ich sogar mein Abschied versäumt, so dringend wollte ich diese Reise unternehmen. Jetzt, wo ich wieder da bin ist mir keiner von euch böse. Keiner macht mir Vorwürfe, weder dass ich vielleicht zu früh wieder da bin und deshalb meine Reise ja gar nicht sooo wichtig war, noch dass ich mich vor der Reise falsch verhalten hätte (was definitiv bei einigen der Fall war). Ihr nahmt mich wieder auf, als sei nichts passiert und dafür danke ich euch.